Monat: | 01 | |
Jahr: | 01 |
Mit einem Klumpen Bienenwachs in der Tasche war Anna auf dem Heimweg. Der Schnee knarzte unter ihren Füßen. Schon von Weitem sah sie durch die kleinen, herabrieselnden Schneeflocken die dunkle Gestalt eines Wartenden vor dem Haus des Schneiders, bei dem sie in einer Kammer zur Miete wohnte. Sie hatte da wohl mit der Frau des Imkers etwas lange gequatscht und sich dadurch verspätet. Sie beschleunigte ihren Schritt. Sie hatte am Vortag schon Rapsöl gekauft und hatte nun mit dem Wachs und den Kräutern, die sie im Vorjahr gesammelt und getrocknet hatte, alle Zutaten beisammen, um Cremes und Salben herstellen zu können.
Kurz darauf standen Anna und Åge am Ofen und wärmten ihre Hände. Anna nahm den Topf mit dem gerade zu kochen beginnenden Wasser herunter und begann Hagebuttentee zuzubereiten. Sie bat Åge nochmals beim nächsten Mal doch besser im Haus zu warten, auch wenn die Frau des Schneiders ihn immer grimmig anschaute. Es sei immer noch besser als zu erfrieren. Sie erklärte ihm auch nochmals, dass es ihr leid tue, dass er warten musste. Er antwortete nur, dass er ja gar nicht so lange gewartet habe und versuchte erneut das Thema zu wechseln: „Beim Einkauf von Rohstoffen erwerben wir Vermögensgegenstände. Rohstoffe kann man auch wieder verkaufen, zum Beispiel den Bienenwachs an den Kerzenmacher. Sie haben also weiterhin einen Wert. Erst mit dem Verbrauch bei der Produktion werden die Rohstoffe zu Aufwand, und zwar Materialaufwand. Bis dahin liegen sie auf Lager und zählen zum Voratsvermögen.“ Anna stellte fest, dass er wohl nicht über den Konflikt zwischen Erfrieren und der Frau des Schneiders sprechen möchte und ließ ihn fortfahren. Er trank einen Schluck Hagebuttentee.
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„Fragen wir zuerst wieder: Wo ist das Geld hin? In die Vorratsbestände. Das Konto für den Bestand an Roh- Hilfs- und Betriebsstoffen befindet sich auf der Aktivseite, also links in der Bilanz, und muss steigen. Die Buchung erfolgt hier also im Soll. Und wo kam das Geld her?“, „Aus der Kasse!“, unterbrach ihn Anna, “Genau, und dieses Konto steht ebenfalls auf der Aktivseite und muss sinken. Es steht also im Haben. Der Buchungssatz lautet damit:“, wieder unterbrach Anna: „Er lautet:“
per 1000 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
an 1600 Kasse
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Åge führte fort: „Soweit passt die Buchung erst einmal. Und nun kommt noch ein Zusatzpunkt: Wenn wir etwas einkaufen, enthält der Preis meistens Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer. Lediglich ein paar Dinge, wie die Notargebühr für unsere Unternehmensanmeldung, sind umsatzsteuerbefreit. Die gezahlte Mehrwertsteuer erhält ein Unternehmen vom Finanzamt zurück, die erhaltene Mehrwertsteuer muss es an das Finanzamt abführen. Den Anteil der Mehrwertsteuer buchen wir auf ein separates Konto. Wenn wir nun auf die Rechnung schauen, sehen wir, dass Du 24 G bezahlt hast, davon 20 G netto für den Bienenwachs und 4 G Mehrwertsteuer. Wir können uns dabei immer an der Rechnung orientieren, denn die Mehrwertsteuer muss ausgewiesen sein und wir können nur den Betrag vom Finanzamt erhalten, der ausgewiesen ist, selbst wenn er falsch sein sollte.
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Wir buchen daher nur 20 G auf das Konto ‚1000 Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe‘, 4 G gehen auf das Konto ‚1406 Abziehbare Vorsteuer, volle USt.‘ und die Gegenposition ist weiterhin die Kasse mit einem Betrag von 24 G. Das Konto für die Vorsteuer steht auf der Aktivseite unter Forderungen, Erhöhungen werden also im Soll gebucht. Wir erfassen die Buchung über alle drei Konten mit einem zusammengesetzten Buchungssatz. Der Buchungssatz lautet damit:“
per 1000 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 20 G
per 1406 Vorsteuer 4 G
an 1600 Kasse 24 G
“Das Gleiche führen wir natürlich auch für die gestern gekauften 1 Liter Öl durch. Der Gesamtbetrag von 8,40 G teilt sich in 7 G für das Öl und 1,40 G für die Mehrwertsteuer auf. Dementsprechend buchen wir dann auch:“
per 1000 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 7,00 G
per 1406 Vorsteuer 1,40 G
an 1600 Kasse 8,40 G
Zum Abschluss stellt Åge die Buchungen noch in der Bilanz und in der Gewinn- und Verlustrechnung dar. Im Vergleich zur Bilanz vor Erfassung der Rohstoffe sind nun die Bestände im Lager von 27 G und die Forderungen gegenüber dem Finanzamt von 5,40 G hinzugekommen:
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Der Kassenbestand ist um die gleichen Beträge gesunken, so dass sich am Ende die Bilanzsumme von 490 G nicht verändert hat. Durch den Einkauf der Rohstoffe gab es lediglich einen Tausch auf der Aktivseite vom Kassenbestand in den Lagerbestand und in den Forderungsbestand. Damit bleibt dann auch die Gewinn- und Verlustrechnung unverändert.